Berufsbildungswerk Leipzig für Hör- und Sprachgeschädigte gGmbH

Rückschau auf den 8. Leipziger AVWS-Fachtag 2025

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Impulse der Podiumsdiskussion des Leipziger AVWS-Fachtags 2025

Katharina Kubitz und Dr. Oliver Zetsche fassen die wichtigsten Erkenntnisse aus der hochkarätigen Podiumsdiskussion des 8. Leipziger AVWS-Fachtags 2025 zusammen. Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion sprachen auf dem Fachtag über historische Entwicklungen, aktuelle Forschung und praktische Hilfen bei Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS).

Chapter 1

Was ist AVWS und wie hat alles begonnen?

Dr. Oliver Zetsche

Herzlich Willkommen zu unserer heutigen Nachbetrachtung des 8. Leipziger AVWS-Fachtags. In dieser Episode reflektieren wir die Podiumsdiskussion dieses Fachtags. Wir - das sind Katharina Kubitz und ich, Oliver Zetsche. Bei der Podiumsdiskussion sprachen nämlich Expertinnen über die neuesten Entwicklungen bei Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen, kurz AVWS.

Katharina Kubitz

Genau. Und genau das wollen wir Ihnen heute ermöglichen. Wir geben Ihnen einen Einblick in die wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Diskussion auf der Bühne des 8. Leipziger AVWS-Fachtags 2025.

Dr. Oliver Zetsche

Wir stützen uns da auf das Transkript des Gesprächs. Mit dabei waren Professorin Dr. Norina Lauer, Dr. Susanne Wagner und Kathrin Wagner. Moderiert hast DU das Ganze, liebe Katharina.

Katharina Kubitz

Ja, das war eine tolle Möglichkeit des Austauschs. Und unser Ziel ist es, Ihnen die Kernbotschaften aus Pädagogik, Forschung und Therapie näherzubringen. Auch wenn AVWS für Sie vielleicht ganz neu ist.

Dr. Oliver Zetsche

Okay, dann fangen wir doch mal an! Was genau ist denn AVWS? Dr. Susanne Wagner hat das, fand ich, sehr gut auf den Punkt gebracht. Die Ohren, die hören eigentlich gut, aber das Gehirn, das hat, Schwierigkeiten, das Gehörte wirklich effizient zu verarbeiten, und zwar in Echtzeit.

Katharina Kubitz

Also die Fehlerquote beim Verstehen ist höher!

Dr. Oliver Zetsche

Genau! Besonders, wenn es schnell geht oder wenn Nebengeräusche da sind. Das Verstehen klappt dann einfach nicht so gut.

Katharina Kubitz

Mhm. Spannend fand ich auch den Blick zurück. Professorin Lauer hat ja erzählt, ihr erstes Fachbuch von 1998, das entstand quasi aus einer Not heraus.

Dr. Oliver Zetsche

Stimmt! Sie war ja Logopädin in den frühen 90ern. Da gab es zwar Diagnostik, aber kaum strukturierte Therapieansätze.

Katharina Kubitz

Sie hat sich dann gefragt, was macht denn eine Logopädin vor Ort überhaupt? Ziemlich direkt, oder?

Dr. Oliver Zetsche

Ja! Aber das war der Anstoß. Ihre Diplomarbeit hat dann den Grundstein für mehr Systematik gelegt. Also, die Praxis hat die Forschung quasi angestoßen! Und parallel dazu berichtete ja die Pädagogin Kathrin Wagner, wie das Thema AVWS so um die Jahrtausendwende an den Hörgeschädigten-Schulen präsenter wurde.

Katharina Kubitz

Mhja, genau! Sie meinte, das war oft ein Sprung ins kalte Wasser. Also Schüler und Schülerinnen unterrichten, die zwar hören, aber eben nicht gut verstehen.

Dr. Oliver Zetsche

Und die ersten Versuche mit Technik, die FM-Anlagen zum Beispiel?

Katharina Kubitz

Ja, also Funksysteme, die die Stimme direkt übertragen. Das war wohl herausfordernd. Auch die Kostenübernahme durch die Krankenkassen war ein Thema.

Dr. Oliver Zetsche

Das waren sicher echte Pionierzeiten.

Chapter 2

Meilensteine der Forschung und neue Zielgruppen

Dr. Oliver Zetsche

Wie sieht's denn heute aus? Was sind so die Meilensteine der letzten Jahre?

Katharina Kubitz

Also, Dr. Susanne Wagner hat da zwei wichtige Punkte genannt. Erstens: Die Forschung hat unglaublich zugenommen, von vielleicht 100 auf fast 500 Publikationen pro Jahr weltweit.

Dr. Oliver Zetsche

Wow, das ist ja eine Verfünffachung! Enorm! Und aus viel mehr Ländern kommen jetzt Beiträge. Zweitens: Der Fokus hat sich erweitert. Man sieht AVWS nicht mehr nur als reine Kinderkrankheit.

Katharina Kubitz

Ja! Das heißt, man erkennt an, dass auch Jugendliche und Erwachsene betroffen sind.

Dr. Oliver Zetsche

Genau! Das war vor zehn Jahren wirklich noch ein Nischenthema. Heute weiß man, das geht weiter, auch nach der Schule: in Ausbildung, Beruf und Alltag.

Katharina Kubitz

Das ist ja eine wichtige Erkenntnis und unterstreicht die Verbindung von Hören und Sprache, oder? Professorin Lauer hat ja betont, wie wichtig das Hören schon vor der Geburt ist.

Dr. Oliver Zetsche

Absolut. Das ist fundamental für den Spracherwerb. Und Dr. Susanne Wagner hat ja auch auf Mittelohrentzündungen im Kleinkindalter hingewiesen, so bis zum Alter von zwei, drei Jahren.

Katharina Kubitz

Das kann ein Risikofaktor sein, stimmt!

Dr. Oliver Zetsche

Sie hat das Bild benutzt: Man hört quasi wie unter Wasser: Haus, Maus, Laus, raus – aber eben gedämpft.

Katharina Kubitz

Ja, das muss sehr anstrengen.

Chapter 3

Praktische Unterstützung und Empowerment im Alltag

Katharina Kubitz

Und was hilft dann konkret im pädagogischen Alltag?

Dr. Oliver Zetsche

Da hat Kathrin Wagner ein paar zentrale Prinzipien genannt. Ganz wichtig: eine wahrnehmungsfördernde Umgebung schaffen!

Katharina Kubitz

Also wenig Lärm und gute Akustik, genau.

Dr. Oliver Zetsche

Und interessanterweise auch gutes Licht. Ihr Motto war: Licht an, damit ich hören kann.

Katharina Kubitz

Das ist spannend, Licht und Hören.

Dr. Oliver Zetsche

Ja, weil visuelle Unterstützung eben auch hilft. Klare Sprache natürlich, Visualisierung, z.B. mit interaktiven Tafeln. Und ganz wichtig: individuelle Anpassung.

Katharina Kubitz

Weil jede AVWS anders ist.

Dr. Oliver Zetsche

Richtig. Es gibt nicht DIE eine AVWS. Und, was ich auch zentral fand: Empowerment. Also, Schüler und Schülerinnen stark machen, dass sie ihre Bedürfnisse kennen und auch sagen können: "Ich brauche das jetzt so und so."

Katharina Kubitz

Genau das! Das ist ja fürs ganze Leben wichtig, nicht nur für die Schule. Gibt's denn inzwischen auch mehr Material, also neue Ressourcen?

Dr. Oliver Zetsche

Ja, da wurde einiges genannt. Die fünfte Auflage von Professorin Lauers Buch kommt bald. Da geht's jetzt auch um Jugendliche und Erwachsene. Dr. Susanne Wagner und du, liebe Katharina, haben ja auch mitgeschrieben.

Katharina Kubitz

Ja, genau – so ist es. Ich durfte unter anderem Informationen zu AVWS bei Jugendlichen und Erwachsenen beisteuern. Das war echt spannend, weil die Perspektive sich da nochmal verändert.

Dr. Oliver Zetsche

Dann wurde noch "AVWS im inklusiven Unterricht" empfohlen und eine Infobroschüre vom Landesförderzentrum Schleswig-Holstein. Also, es tut sich was.

Katharina Kubitz

Das klingt doch positiv! Und der Ausblick? Dr. Susanne Wagner sprach ja von einem Gefühl des Aufbruchs, einer nächsten Zündstufe.

Dr. Oliver Zetsche

Ja, das war spürbar in der Diskussion. Dieses Gefühl, dass das Thema AVWS gerade, ja, vielleicht eine neue Stufe erreicht. Mit den neuen Publikationen, vielleicht auch Fortschritten im medizinischen Bereich, da könnte jetzt richtig was ins Rollen kommen. Fassen wir also noch mal zusammen: AVWS ist komplex, sehr individuell und es betrifft Menschen oft weit über die Kindheit hinaus.

Katharina Kubitz

Aber das Verständnis dafür und auch die Unterstützungsmöglichkeiten, die entwickeln sich stetig weiter. In der Forschung, der Therapie und eben auch in der Pädagogik.

Dr. Oliver Zetsche

Ein Punkt aus der Fragerunde gibt aber noch zu denken, fand ich.

Katharina Kubitz

Welchen meinst du?

Dr. Oliver Zetsche

Dass Eltern wohl oft Züge von AVWS bei sich selbst entdecken, wenn ihr Kind die Diagnose bekommt.

Katharina Kubitz

Ah ja, stimmt. Das deutet auf familiäre Häufungen hin, auch wenn spezifische genetische Studien dazu meines Wissens noch fehlen. Und das wirft doch eine interessante Frage auf, findest du nicht? Wie verändert sich eigentlich unser Verständnis von Hören und Verarbeiten über Generationen hinweg, jetzt, wo das Bewusstsein für AVWS so wächst.

Dr. Oliver Zetsche

Hm, das ist eine spannende Frage. Wie schauen wir in Zukunft auf Hörprobleme, wenn klarer ist, dass es nicht immer nur die Ohren sind?

Katharina Kubitz

Ja! Darüber kann man sicher noch viel diskutieren. Aber das machen wir in einer anderen Folge.

Dr. Oliver Zetsche

Genau. Das war unser Einblick in die Podiumsdiskussion des Leipziger Fachtags 2025. Danke, dass Sie dabei waren.

Katharina Kubitz

Danke auch von mir. Wir freuen uns, wenn Sie beim nächsten Mal wieder reinhören. Tschüss, Oliver!

Dr. Oliver Zetsche

Tschüss, Katharina! Und tschüss an alle Zuhörenden. Alles Gute und bis zum nächsten Mal!